Wirtschaftswissen.

Clever. Aktuell. Einfach.

Wissen finden:

Zur Themenauswahl
Volltextsuche

Kollektivvertrag

Ein Kollektivvertrag (KV) ist ein schriftlicher Vertrag, der abhängig von der Branche gewisse arbeitsrechtliche Grundlagen für Dienstgeber sowie Arbeitnehmer beinhaltet. Für Sie als Arbeitgeber ist es wichtig die aktuellen Regelungen dieses Dokumentes zu kennen, denn Sie sollte unbedingt Ihre Rechte kennen. Ebenso kann sich ein Mitarbeiter auf festgesetzte Vereinbarungen berufen.

Zweck

Wieso es Kollektivverträge braucht ist anhand der hier angeführten Gründe einfach zu verstehen. Die gesetzlichen arbeitsrechtlichen Grundlagen reichen in vielen Fällen nicht aus. Es gibt in Österreich z.B. keinen gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohn.

  • Etablierung von Mindeststandards für ganze Branchen (Arbeitszeit, Lohnniveau,…)
  • Faire Wettbewerbsstandards (z.B. Verhinderung von Lohndumping)
  • Sozialer Schutz (z.B. durch jährliche Lohnerhöhungen)
  • Machtumverteilung (Einschränkung der Macht des Arbeitgebers gegenüber dem schwächeren Arbeitnehmer)
  • Ordnungsfunktion (weniger Auseinandersetzungen mit Mitarbeiter, geringe Anzahl von Streiks)

Anwendung

Welche Kollektivvertrag Sie als Dienstgeber nun anwenden müssen, ist abhängig davon unter welche Fachgruppe der Wirtschaftskammer Sie fallen. Nicht alle Branchen und somit Fachgruppen haben einen Kollektivvertrag abgeschlossen. Grundsätzlich ist für all Ihre Mitarbeiter (egal welcher Berufsbezeichnung) der Kollektivvertrag anzuwenden, der Ihrem Wirtschaftszweig entspricht. Ausnahmen gibt es, z.B. wenn mehrere Betriebe (mit unterschiedlichen Gewerbeberechtigungen) oder klar trennbare Betriebsabteilungen (z.B. Produktion und Handel) vorhanden sind. Die Wirtschaftskammer stellt eine Kollektivvertragssuche zur Verfügung.

Parteien

Der eine funktioniert nicht ohne den anderen! Ein Kollektivvertrag wird zwischen den Interessensvertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart und verhandelt. Ihr Vertreter ist in erster Linie die Wirtschaftkammer, spezieller noch die jeweilige Sparte/Fachgruppe (z.B. Sparte Handel mit der Fachgruppe Tabaktrafikanten). Der Einfluss der einzelnen Fachgruppen (Liste) ist sehr unterschiedlich.

Auf Arbeitnehmerseite ist das in der Regel nicht die Arbeiterkammer, sondern eine Gewerkschaft. Die sieben Fachgewerkschaften sind Teil des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB). Einige Berufsgruppen sind in einer eigenen Kammer (z.B. Apothekerkammer) organisiert. Grundsätzlich muss eine verhandelnde Partei vom Bundeseignungsamt (Teil des Sozialministeriums) die Kollektivvertragsfähigkeit zugesprochen bekommen haben.

Dieses System der Zusammenarbeit zwischen den Interessensvertretern nennt sich Österreichische Sozialpartnerschaft.

Rechtsgrundlagen

Gesetze in den verschiedenen Gesetzbüchern bilden die arbeitsrechtliche Grundlage. Sie legen die Rechte und Pflichten zwischen Ihnen als Arbeitgeber und Ihren Dienstnehmern fest. Als Schicht darüber wirken dann die im Kollektivvertrag festgeschriebenen Übereinkommen wie z.B. eine festgeschriebene Arbeitszeit oder zu leistende Sonderzahlungen. Erweitert wirken dann noch eine Betriebsvereinbarung (zwischen Betriebsrat und den Inhabern) und letztendlich der jeweilige Arbeitsvertrag. Die festgelegten Vereinbarungen der vorangegangenen Rechtsgrundlage dürfen nicht aufgehoben werden oder zum Nachteil für den Arbeitnehmer geändert werden (=Günstigkeitsprinzip). So ist es Ihnen nicht gestattet im Arbeitsvertrag ein geringeres Entgelt festzuschreiben als der Kollektivvertrag vorsieht, auch wenn der Mitarbeiter zustimmen sollte.

Regelungen

Was genau der einzelne Kollektivvertrag regelt ist von Dokument zu Dokument unterschiedlich. Grundsätzlich kann aber festgehalten werden, dass ein Kollektivvertrag Vereinbarungen zum Verhältnis zwischen Arbeitgeber und -nehmer enthält. Das 13. und 14. Gehalt ist z.B. lediglich im Kollektivvertrag festgeschrieben.

Auflagepflicht

Sind für Ihr Unternehmen Kollektivverträge gültig, so sind Sie gesetzlich dazu angehalten diese für all Ihre Mitarbeiter in einem Raum aufzulegen und drauf hinzuweisen. Innerhalb von drei Tagen ist diese Aktion zu vollführen, wenn eine aktualisierte bzw. geänderte Version veröffentlicht wurde. Als Konsequenz würde Ihnen eine Verwaltungsstrafe drohen.

Dieser Artikel stammt von:

wiwiki.at