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Kostenrechnung im Überblick

In der Kostenrechnung werden die tatsächlichen Kosten die beim Erbringen einer Leistung – also beispielsweise bei der Produktion oder dem Transport – entstehen, ermittelt. Das ist von großer Bedeutung, denn wenn Sie nicht wissen welche und wie hohe Kosten anfallen, woher können Sie dann wissen wie hoch Sie den Preis ansetzen müssen, um schwarze Zahlen zu schreiben. Daher ist eine fehlende oder falsch angegangene Kostenrechnung ein Hauptgrund für Insolvenzen. Das Motto:  Kostendeckend wirtschaften. Der Gesetzgeber verpflichtet Sie nicht Ihre Kosten zu kalkulieren.

Die Kostenrechnung sucht Antworten auf folgende Fragen:

Welchen Preis können Sie verlangen?
Welchen Preis müssen Sie verlangen?
Wie hoch müssen Ihre Stückzahlen sein, um ein positives Geschäftsergebnis zu erzielen?
Soll Ihr Unternehmen gewisse Produktionsschritte aus Kostengründen auslagern?
Wie können Sie möglichst kosteneffizient produzieren?

System der Kostenrechnung

Wie funktioniert das nun? Das ist nicht allzu kompliziert. Das System der Kostenrechnung gliedert sich in drei verschiedene Bereiche, die untersuchen welche Kosten wo und wofür anfallen.

Kostenartenrechnung

Dieser Bereich klärt ab welche Kosten in Ihrem Unternehmen angefallen sind. Die Aufwände, die Ihre Buchhaltung ordentlich dokumentiert hat, werden mittels einer entsprechenden Tabelle (genannt Betriebsüberleitungsbogen, kurz BÜB) in Kosten übergeleitet.

Gewisse Kosten, die die Buchhaltung außen vor lässt, werden ergänzt. Etwa Ihr Gehalt als Unternehmer wird in der Buchhaltung nicht als entsprechende Aufwandsbuchung verbucht.

Zudem unterscheidet der BÜB zwischen Einzel- und Gemeinkosten. Einzelkosten können also sofort zur Kalkulation für Ihr Produkt verwendet werden, z.B. wurde ermittelt dass das Fertigungsmaterial 22,50€ ausmacht. Gemeinkosten werden in der Kostenstellenrechnung weiter bearbeitet.

Kostenstellenrechnung

Hier wird aufgeteilt. Nämlich wo die Kosten in Ihrem Unternehmen angefallen sind. Dazu verwendet man ebenfalls eine Tabelle (genannt Betriebsüberleitungsbogen, kurz BAB). Lediglich die durch die Kostenartenrechnung ermittelten Gemeinkosten spielen dort eine tragende Rolle. Die Einzelkosten werden nur eingetragen, weil sie zur Berechnung erforderlich sind.

Mittels Verteilungsschlüssel, die Sie möglichst genau festlegen sollen, werden die Gemeinkosten im BAB auf die unterschiedlichen Stellen (wie Lager, Verwaltung, Fertigung) verteilt. Zum Beispiel lässt sich der Wasserverbrauch für ein bestimmtes Produkt nicht exakt ermitteln. Sie haben einmalig untersucht, wie viel die einzelnen Abteilungen verbrauchen, z.B. 20% der Wassermenge, also Kosten von 50€ in der Kostenstelle Lager.

Zum Kalkulieren benötigen Sie Prozentsätze, sogenannte Gemeinkostenzuschlagssätze. Um diese zu erhalten werden Einzelkosten und Gemeinkosten in der jeweiligen Kostenstelle gegenübergestellt, wie Fertigungslöhne (=Einzelkosten) und Gemeinkosten im Bereich Fertigung.

Kostenträgerrechnung

Hier wird erst richtig kalkuliert. Es ist also für Sie einiges an Vorarbeit nötig um zu einem Ergebnis zu kommen. Nun werden die Kosten endlich dem Verursacher bzw. Träger zugewiesen. Das geschieht durch Kalkulationen. Darin legen Sie fest wie hoch der Gewinn sein soll. Auch Skonto und Rabatt werden hinein kalkuliert. Am meisten Profit generieren Sie also, wenn Sie Produkte zum üblichen Verkaufspreis vertreiben. Die Kalkulation erfolgt in verschiedenen Schemata.

Kalkulationsschemata

Zuschlagskalkulation

Die Gemeinkostenzuschlagssätze, die Sie durch den BAB ermittelt haben, benötigen Sie nun. Dieses Schema wenden Sie an, wenn sie aktiv Güter produzieren, also ein Industriebetrieb sind.

Fertigungsmaterial
+Materialgemeinkosten (%, von Fertigungsmaterial)
=Materialkosten
+Fertigungslöhne
+Fertigungsgemeinkosten (%, von Fertigungslöhne)
+Sondereinzelkosten der Fertigung (z.B. spezieller Farbenwunsch)
=Herstellkosten
+Verwaltungsgemeinkosten (%, von Herstellkosten)
+Vertriebsgemeinkosten (%, von Herstellkosten)
=Selbstkosten
+Gewinn (%, von Selbstkosten)
=Kassaverkaufspreis
+Skonto (%, von Kassaverkaufspreis)
=Zielverkaufspreis
+Rabatt (%, von Zielverkaufspreis)
=Nettoverkaufspreis
+Umsatzsteuer (%, von Nettoverkaufspreis)
=Bruttoverkaufspreis

Bezugs- und Absatzkalkulation

Natürlich kalkulieren nicht nur Produktionsunternehmen, sondern auch Handelsbetriebe. Diese verwenden eigene Kalkulationsschemata. Bei der progressiven Berechnung wird vom Preis ausgegangen, den wir dem Verkäufer (=Lieferanten) überwiesen haben. Bei der retrograden Berechnungen wird vom Verkaufspreis ausgegangen und zurückgerechnet.

Rechnungspreis
-Lieferantenrabatt (%, vom Rechnungspreis)
=Zieleinkaufspreis
-Lieferantenskonto (%, vom Zieleinkaufspreis)
=Kassaeinkaufspreis
+Bezugskosten (€, z.B. Transportkosten)
=Einstandspreis
+Gemeinkosten (%, vom Einstandspreis)
=Selbstkosten
+Gewinn (%, von Selbstkosten)
=Kassaverkaufspreis
+Skonto (%, von Kassaverkaufspreis)
=Zielverkaufspreis
+Rabatt (%, von Zielverkaufspreis)
=Nettoverkaufspreis
+Umsatzsteuer (%, von Nettoverkaufspreis)
=Bruttoverkaufspreis

Dieser Artikel stammt von:

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